»Die Stadt Chur ist eine der kältesten, die es gibt, die
finsterste, die ich kenne, und die Graubündener sind tief – oder schwach
– oder einfach widersinnig vor Finsternis und vor Kälte.« Thomas Bernhard
Dem tüchtigen Stadtgärtner sei Dank: Der einstmals so beliebte wie belebte Stadtpark sieht jetzt aus wie der sinnleere Vorzeigegarten einer psychiatrischen Anstalt. Der Rasen, die schattigen Plätzchen und versteckten Nischen sind weg. Neu sind die schwarzen Eisengitter, die den Park erfolgreich vor seiner Benutzung schützen. Aber es gibt sowieso nicht mehr allzu viel zu benutzen. Was will man schon mit den aufdringlich bunten, rechtwinkligen Blumenbeeten? Sich allenfalls davorstellen und einen Passanten bitten, ein Bild zu machen.
Wenn es Abend wird, schliesst der Stadtgärtner den Park mit den schweren Eisentoren. Damit er nach Hause kann und sich die Blumen in Ruhe ausruhen können. Aber so schlimm ist es ja gar nicht: Die umtriebigen Lenker der Sadt haben im Gegenzug zum totsanierten Park die Strassen grün bemalen lassen und als Begegnungszone beschriftet. Die Autos dürfen jetzt nur noch im Schritttempo fahren, weil die Passanten überall auf die Strasse springen müssen, um sich zu begegnen. So löst man in dieser Stadt mit Blumen das Drogenproblem und bekämpft mit Teer die Einsamkeit. Flower Power in der Hand von Faschisten.