Mittwoch, 29. April 2009
Busfahrer
Breit wie ein Pontifex in seinem durchgesessenen Thron gibt einem der Busfahrer schon beim Einsteigen das Gefühl, nicht Gast, sondern Ballast zu sein. Manchmal kommt es freilich gar nicht so weit. Kurz vor der Haltestelle gibt er schlagartig Gas und braust mit antrainiertem Röhrenblick vorbei. Da nützt es auch nichts, anschliessend einen Schritt auf die Strasse zu tun und wie wild mit den Armen zu rudern. Dieses entwürdigende Schauspiel schaut sich der routinierte Busfahrer höchstens im Rückspiegel an - wenn überhaupt. Meistens hält er allerdings. Und das nicht grundlos: Nur so kann er die Fahrgäste ganzheitlich und nachhaltig demütigen. Das beginnt mit Wartenlassen vor der geschlossenen Türe geht weiter übers patzigen Gezanke um Kleingeld und endet beim hartnäckigen ignorieren irgendwelcher Fragen. So er will, hat der Gast irgendwann dann aber doch eine Fahrkarte, steht im Gang, verstaut gerade das Portemonee bevor ihn die Wucht eines sehr kurz übersetzten ersten Ganges schlagartig mitten unters Volk katapultiert. Torkelnd wie nach einer Flasche Chianti hält er sich dann irgendwo an einer dieser immer leicht fettigen Stangen und wartet auf die kommende brüske Bremsung vor der nächsten Haltestelle. Und da ist sie auch schon. Die ältere Frau, die bereits aufgestanden ist, fällt der Länge nach hin. Der Inhalt ihrer Einkaustasche arrangiert sich im Mittelgang zu einem expressiven Stilleben des Schreckens. Und was macht der Busfahrer? Der schimpft nur unverständlch vor sich hin und bereitet, während die Fahrgäste am Butter, Orangen und einsammeln sind, das Finale vor. Das braucht etwas Fingerspitzengefühl und ein gutes Timing. Aber jetzt ist es soweit: Die Frau macht sich gerade auf, da macht er die Türe gerade zu. Diesmal bleibt die Frau eingeklemmt stehen und die Orangen kullern auf die Strasse.”Herrjesses!» sagt die Frau. «Könnr denn nid luaga, gopfrtammi!» sagt der Mann am Steuer bevor er aufs Gaspedal stampft, wie ein ungeliebtes, zorniges Kind.