Man muss die Hektik des Alltags ja nicht unbedingt ins Wochenende mitnehmen. Nein, muss man wirklich nicht. Seit fünf Minuten sitzen wir also auf der Hotelterrasse am Tisch. Vor den leeren Gläsern und Fläschchen längst verschwundener Nachmittagsgäste. Entspannt und geduldig. Es ist Herbst und die Engadiner Sonne lacht. Sie ist die einzige. Das Personal im Belvedere in Scuol hat anscheinend nichts zu lachen. Keine Ahnung wieso. Am Stress kanns nicht liegen, die Gartenterrasse ist knapp zu einem Viertel besetzt. Sie sind zu dritt. Räumen leere Gläser herum und sind mit den Gedanken weit weg oder nirgends. Wer weiss das schon. Und wen interessierts. Zehn Minuten sinds inzwischen. Nur die Ruhe kann es bringen. Wohl wahr, in einem Restaurant bringt die Ruhe allerdings nichts und schon gar keinen Kaffee. «Tschuldigung, könnten wir vielleicht ...» – «Moment», sagt die Angesprochene und räumt noch etwas herum bevor sie sich dann mit einem knappen «Bitte!» vor unseren Tisch hinpflanzt. Also, einen Kaffee und ein Wasser. Dass sie sich darauf umdreht und geht, interpretieren wir dahingehend, dass sie die Bestellung verstanden hat. Und tatsächlich, schon wenig später ist sie wieder da und stellt beides auf den Tisch. Wortlos wie in einem Stummfilm. Hat ja recht, was soll man dazu auch Aufschlussreiches sagen? «Da ist Ihr Kaffee und hier kommt Ihr Wasser.» Ist ja klar. Vor allem das Wasser.
Man könnte natürlich: «Zum Wohl!» sagen. Aber wenn mans nicht meint, wärs ja gelogen. Und bei dem was man hier hinstellt, gäbs höchstens ironisch einen Sinn: Der Kaffee ist dünn, das Wasser handwarm. Immerhin, so passt doch alles irgendwie zusammen und macht einen ganzheitlichen Eindruck. Ganzheitlich halbherzig.