Dienstag, 18. Dezember 2012
Arm dran, aber gut drauf
Italien im Sommer. Das ganze Land riecht nach Pizza und Spiagga. Alle sind zwar arm dran, aber trotzdem gut drauf. Ideale Voraussetzungen also für einen perfekten Gastgeber. Sowieso, die Italiener! Alle reden, andauernd, ununterbrochen. Die Carabinieri in Zweiergruppen mitten auf der Strasse, die Verkäuferinnen an den Kassen im Supermercato, die Bootsverleiher, die Fischhändler, die Müllabfuhr. Mag der Sachverhalt noch so klar, der Handgriff noch so einfach sein, es gibt immer noch etwas zu diskutieren, zu erläutern, anzufügen. Und zu bedenken, mit Bedacht. Und also bedächtig wird dann auch gehandelt. Und der Strafzettel dann doch an die Windschutzscheibe geheftet, der Ristretto schliesslich aus der Maschine gelassen, die Mülltonne dann doch geleert oder stehengelassen. Hat der Italiener keine Arbeiskollegen, weil er entweder als Automechaniker allein arbeitet oder bereits pensioniert ist, krallt er sich einfach einen freien Touristen und labert den voll. Da erfährt man dann ungefragt, dass es im Juli und August besonders heiss ist, aber dass es gegen Abend schon wieder etwas kühler werden wird. Wer nach Offenbarungen dieser Preisklasse nicht hellhörig wird, schnell einen Riegel schiebt und das Weite sucht, findet sich schon wenige Sätze später in Jugenderinnerungen eines Pensionärs oder philosophischen Betrachtungen eines Tankwarts wieder.